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BüCHER

09/04/2002
Welche Rolle spielt Alkohol bei Verbrechen?

In Deutschland geht jeder dritte Mord auf das Konto eines Täters, der zur Tatzeit unter Alkoholeinwirkung steht. Bedeutet das, dass Alkohol beim kriminellen Verhalten eine Rolle spielt? Ist der Alkohol der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Im Buch“Alkohol und Schuldfähigkeit” versuchen die deutschen Professoren Frank Schneider und Helmut Frister der Universität Düsseldorf diese Fragen zu beantworten.

Frank Schneider bespricht neben den Symptomen einer akuten Alkoholvergiftung auch die medizinischen und psychologischen Konsequenzen von übermässigem Alkoholkonsum und von Alkoholabhängigkeit. Er erläutert, warum die gleiche Blutalkoholkonzentration bei derselben Person aber unter anderen Umständen zu sehr stark unterschiedlichen Reaktionen führen kann. Eine ganze Reihe von Elementen aus dem Umfeld beeinflussen das Verhalten einer Person, die unter Alkoholeinwirkung steht. Die Auswirkung dieser Faktoren aus dem Umfeld ist grösser als die eigentliche Auswirkung des Alkohols. Trotzdem bleibt die Frage, ob eine Person, die sich unter Alkoholeinwirkung kriminell verhält, als vermindert zurechnungsfähig zu betrachten ist im Vergleich zu einer Person, die dieselben Tatbestände nüchtern verübt. Viele sind spontan der Meinung, dass einer Person, die unter Einwirkung von Alkohol oder Drogen steht, etwas weniger Schuld trifft als einer nüchternen Person. Professor Schneider und Professor Frister bezweifeln das. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Person, die ein Verbrechen plant, sich zuerst Mut antrinkt und so unter Alkoholeinwirkung steht. Viele Menschen neigen zu Alkoholkonsum, wenn sie angespannt sind, aber die Entscheidung, letztendlich viel Alkohol zu trinken, treffen sie selber. Niemand verpflichtet sie dazu, Alkohol zu trinken. Die beiden Autoren betonen, dass man die Taten, die sich dann aus dem Alkoholmissbrauch ergeben, nicht so einfach den Auswirkungen des Alkohols zuschreiben kann.

Alkohol und Schuldfähigkeit
Frank Schneider, Helmut Frister
Springer Verlag Heidelberg 2002
39,95 EUR
ISBN 3-540-41924-1


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